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Malteser Eichstätt

Hospizarbeit bei den Maltesern in Eichstätt: „Dankbarkeit ist unser größter Lohn“

Zwei Hospizbegleiter im Gespräch mit Koordinatorin Carmen Pickl

13.06.2017
Die Hospizbegleiter Cornelia Heinemann und Stephan Strohmeyer mit Koordinatorin Carmen Pickl während des Gesprächs in der Diözesangeschäftsstelle der Malteser in Eichstätt. Foto: Michael J. Dremel
Die Hospizbegleiter Cornelia Heinemann und Stephan Strohmeyer mit Koordinatorin Carmen Pickl während des Gesprächs in der Diözesangeschäftsstelle der Malteser in Eichstätt. Foto: Michael J. Dremel

Cornelia Heinemann aus Walting und Stephan Strohmeyer aus Wettstetten stellten sich im Gespräch mit der Koordinatorin des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Carmen Pickl zum Gespräch über ihre ehrenamtliche Arbeit bei den Eichstätter Maltesern.

Malteser Hilfsdienst e. V. Eichstätt (MHD): Frau Pickl, Sie sind seit fünf  Jahren bei den Eichstätter Maltesern als Koordinatorin des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes tätig. Welche Anforderungen stellen aus Ihrer Sicht die Ausbildung und die Tätigkeit an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer?

Carmen Pickl (CP): Wer gerne Hospizbegleiter werden möchte, sollte in erster Linie die richtige Haltung mitbringen. Sensibilität, Mitgefühl, die Bereitschaft, in krisenhaften Situationen einfach da zu sein, sie auszuhalten und Nähe zu schenken sind Bestandteile der hospizlichen Haltung, die nicht gelernt werden kann, sondern von den Menschen, die bei uns die Ausbildung machen möchten, schon mitgebracht wird. In der Ausbildung geht es um Themen wir Kommunikation und Wahrnehmung, Trauerbegleitung, spirituelle Fragen, Sterbeprozesse, Berührung, Selbstpflege und vieles mehr. Das Einlassen auf diese Themen erfordert die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit und dem, was mich selbst angesichts von Krise, Krankheit, Sterben und Trauer hält. Selbstreflexion, das Einlassen auf die Gruppe und Bereitschaft zum Einüben zum Beispiel in Rollenspielen gehört ebenfalls dazu. Ehrenamtliche melden uns immer zurück, dass die Zeit der Ausbildung auch für die persönliche Entwicklung immer sehr bereichernd war. Für das Begleiten von schwerkranken und sterbenden Menschen ist in erster Linie diese hospizliche Haltung und Zeit notwendig, getragen von dem Bemühen, die Lebensqualität zu fördern und die Würde und Autonomie des Sterbenden zu achten. Das alles geschieht in Gesprächen, im Dasein, im gemeinsamen Lachen und auch darin, den essenziellen Fragen des Lebens nicht auszuweichen

MHD: Nun haben wir eine ausführliche Schilderung der Anforderungen von der Teamleitung gehört. Frau Heinemann und Herr Strohmeyer, wie sind Sie denn zu diesem Themenbereich ehrenamtliche Hospizarbeit gestoßen?

Cornelia Heinemann (CH): Ich bin initiativ mit dem Thema in Kontakt gekommen im Rahmen meiner Tätigkeit als Heilpraktikerin. Als solche begleite ich meine Patienten oft über viele Jahre und baue deshalb ein sehr intensives persönliches Verhältnis zu ihnen auf. Manchmal kommt es in solchen Patientenbiografien aber auch zu schwerwiegenden Krankheiten, die mit meinen Methoden nicht mehr heilbar waren. Hier endete oft für mich die Begleitung meiner Patienten. Das war für beide Seiten unbefriedigend. Deshalb entschied ich mich für die Ausbildung zur Hospizbegleiterin. Ein zweiter wichtiger Grund war, dass ich dem in unseren modernen Gesellschaften weit verbreiteten Umgang mit Tod etwas entgegensetzen wollte. Nicht wegschieben, wegsehen, sondern integrieren, präsent machen und halten in unserem Leben – dafür wollte ich mich einsetzen. Außerdem wollte ich einfach persönlich mehr lernen über den Umgang mit den schwierigen Themen Krankheit, Sterben, Tod. Ich bin seit vier Jahren Mitglied im Eichstätter Hospizteam und ich kann für mich sagen, es war eine richtige Entscheidung.

Stephan Strohmeyer (SS): Ich bin seit einem Jahr Pensionist und habe während meiner aktiven Zeit als Lehrer und Schulleiter immer wieder auch mit dem Thema Tod zu tun gehabt. Jedes Mal, wenn wir entsprechende tragische Vorkommnisse hatten, stellten sich mir zahlreiche Fragen, die ich nicht wirklich beantworten konnte. Deshalb habe ich die Ausbildung zum Hospizbegleiter absolviert. Parallel bin ich stark ehrenamtlich in der evangelischen Kirche engagiert – ich befinde mich auf dem Weg zum Lektor und Prädikanten. Ich habe festgestellt, dass sich beide Bereiche bestens miteinander vereinbaren lassen, ja sich gegenseitig (unter)stützen. Auch ich wollte persönlich besser verstehen, was rund um das Thema Tod mit uns passiert und wie wir uns verhalten sollen und können. Mitglied im Eichstätter Team bin ich seit 2016, und ich fühle mich sehr wohl und angekommen.

MHD: Auf das Thema aufmerksam werden ist ja nur die eine Seite der Medaille. Warum haben Sie sich dann auch tatsächlich für die umfangreiche Ausbildung und die anstrengende Tätigkeit zur Verfügung gestellt?

CH: Die Hospizarbeit gehört ganz einfach zu meinem Leben. Ich habe schon immer gespürt, dass ich gebraucht werde beziehungsweise dass ich helfen möchte. Durch diese Ausbildung habe noch einmal auf ganz andere Art und Weise gelernt, wie und dass ich wirklich helfen kann. Die Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen, die auch recht intensiven Kontakte zu ihnen sind für mich wirklich bereichernde Elemente in meinem Leben.

SS: Ehrenamtlich und Helfen – das sind zwei Schlagworte, die diese Frage aus meiner Sicht am besten beantworten. Ich habe selbst viel Gutes erfahren in meinem Leben und wollte auf diese Weise der Gesellschaft, den Menschen auch wieder etwas zurückgeben. Und das in einem Bereich, der auch mich fordert. Und trotz aller Verpflichtung gibt es mir auch ein Stück weit Sicherheit, dass ich weiß: Ehrenamtlich heißt auch, dass ich mich im Falle einer Überlastung jederzeit zurückziehen kann und darf, ja sogar muss, um auch mich schützen zu können. Und auch hier gilt: Ich wollte für mich eine Normalisierung im Umgang mit dem Tod erreichen. Und dies ist eingetreten.

CP: Oft endet die Begleitung nicht mit dem Tod eines Betroffenen, sondern es finden abschließende Gespräche mit Hinterbliebenen noch nach dem Versterben des Erkrankten statt und – nicht unüblich – die Helfer nehmen persönlich Abschied mit der Familie im Rahmen der Beerdigung. Es stellt sich ja immer auch grundsätzlich die Frage: Warum helfen Menschen anderen in diesen schweren Zeiten? Welchen Lohn bekommen sie dafür? Über diesen Fragen steht ein einziger großer Begriff: Dankbarkeit! Wer das nicht kennengelernt hat, tut sich schwer, das nachzuvollziehen: Aber unsere Helferinnen und Helfern beziehen ihren „Lohn“ und ihre Kraft für die Tätigkeit durch die schönen und besonderen Momente mit den Betroffenen und den Familien.

MHD: Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie während Ihrer Ausbildung zur Hospizbegleiterin beziehungsweise zum Hospizbegleiter ganz besonders bewegt oder verändert?

CH: Ich habe ein ganzes Spektrum neuer Erfahrungen machen können, die ich hier gar nicht endgültig aufzählen kann. Aber die wichtigsten Aspekte sind, dass ich ein ganz neues Instrumentarium zum Umgang mit eigenen Sterbeerfahrungen erlernt habe, das mich auch im persönlichen Umfeld stabilisiert. Von besonderer Bedeutung für mich war außerdem, dass ich durch die Vermittlung von Fakten und Wissen eine ganz andere Dimension von Selbstsicherheit bekommen habe, zum Beispiel im Bereich der medizinischen oder ernährungstechnischen Versorgung von Sterbenden. Und die grundlegende Bedeutung des Daseins, des Zuhörens, des Redens – einfach des Zeithabens, hat sich mir während der Ausbildung vor allem im Praktikum ganz neu definiert.

SS: Auch ich habe erfahren, dass Wissen Ruhe und Sicherheit bedeutet. Es hält einen davon ab, in kritischen Situation in (oft) blinden Aktionismus zu verfallen. Ich habe gelernt, dass oft nicht Handeln angesagt ist, sondern Aushalten. Und dass wir damit allen Beteiligten ein großes Maß an Entlastung verschaffen können.

CP: Viele Hospizbegleiter in der Ausbildung müssen erst mal ihre eigene Erwartungshaltung an sich selber hinunterschrauben. Letzten Endes geht es darum, sich auf das Gegenüber wirklich einzulassen, in Resonanz zu gehen und zu hören, welche Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse den Menschen umtreiben, den ich begleite.

MHD: Zum Schluss stelle ich Ihnen noch eine sehr persönliche Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Angebot der Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst/Trauerarbeit insgesamt?

CP: Die Qualität des Angebots manifestiert sich für mich in einer simplen Tatsache: Bisher hat unser Team – und damit natürlich auch ich – noch keine einzige Begleitungsanfrage abgelehnt. Das beweist für mich vor allem, dass wir eine tolle Gemeinschaft sind, die trotz aller Individualitäten irgendwie in die gleiche Richtung „ticken“, alle das gleiche Ziel haben.

CH: Wir finden uns in den organisatorischen Strukturen des Dienstes nicht nur wieder, sondern fühlen uns auch wirklich gut und sicher aufgehoben . Wir werden von den Koordinatorinnen aktiv begleitet, sie haben immer ein offenes Ohr für uns und stets den Blick auf das Gefühlsleben des einzelnen Helfers. Das läuft wirklich absolut professionell.

SS: Ich habe nicht nur viel Fachwissen gelernt, sondern auch für mich persönlich einen echten Perspektivwechsel in der Hospiz- und Trauerarbeit realisiert: Es geht in jedem Fall darum, den Blick auf die guten Dinge und die schönen Zeiten zu richten. Das Positive in einem Leben darf an seinem Ende nicht vom Leid, vom Tod und der Trauer vollständig überdeckt werden. Als Ehrenamtlicher fühle ich mich in diesem Team wirklich sicher und bestens aufgehoben. Ich weiß, dass ich nie allein bin – es sei denn, ich will das so. Wir haben Teamsitzungen, Gespräche, Supervision, wirklich alles, was das Helferherz begehrt und braucht. Und für mich auch wichtig: professionelle Kommunikationsstrukturen. Alles in allem – ich fühle mich sicher und wohl bei meiner anspruchsvollen Arbeit als Hospizbegleiter.

CP: Wer Interesse an unserer Ausbildung hat, darf sich gerne bei uns melden. Am 26. Juni beginnt unser neuer Grundkurs. Der sich anschließende Aufbaukurs endet im März 2018. Es sind noch ein paar Plätze frei und Interessierte sind jederzeit herzlich eingeladen, in einem persönlichen Gespräch mit mir oder meiner Kollegin Regina Sterz im Vorfeld mehr über Ausbildungsinhalte und das Anforderungsprofil zu erfahren.

Das Gespräch führte Michael J. Dremel.

Weitere Informationen erhalten Sie hier:
Malteser Hilfsdienst e. V.
Ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst/Trauerarbeit
Pater-Philipp-Jeningen-Platz 1, 85072 Eichstätt
Tel.: 08421/9807-77, E-Mail: hospizdienst.eichstaett(at)malteser(dot)org

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE77370601201201205014  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7