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Malteser Eichstätt

Trauern, Reden und Freuen - Sternenbärchen helfen dabei

10 Jahre Sternenkindergruppe bei den Maltesern. Seelentröster helfen Eltern von verstorbenen ungeborenen Kindern

22.12.2017
Uli dell’Orco (links) und Patricia Hiemer leiten die Sternenkindergruppe der Malteser. (Andrea Franzetti)
Andrea List (rechts) überreicht Carmen Pickl vom ambulanten Hospiz- und Palliatvberatungsdienst/Trauerarbeit der Malteser den Korb mit den Sternenbärchen. (Michael J. Dremel)

Sie waren noch zu klein, zu schwach, zu krank, um zu leben. Immer wieder sterben Kinder, noch ehe sie das Licht der Welt erblicken. Oder es gibt Komplikationen bei der Geburt und ihnen sind nur wenige Atemzüge auf Erden gegeben. Für alle, die dies erleben, die sich eigentlich auf ein neues Leben freuen, und dann voll Trauer sind, bieten die Malteser in Eichstätt Unterstützung, Hilfe und Trost.

Mit dem Verlust leben

Seit zehn Jahren gibt es die Sternenkindergruppe für Eltern, die ihr Kind bei einer Fehlgeburt oder in den ersten Lebenswochen verloren haben. Als die Gruppe betroffener Eltern Ende 2007 zusammenkam, erfolgte fast zeitgleich die Einweihung einer Grabstätte für totgeborene Kinder auf dem Friedhof in Rebdorf.

Eine Handvoll Frauen war im Dezember 2007 zum ersten Treffen in die Räume der Diözesangeschäftsstelle der Malteser am Domplatz gekommen. Unter Leitung von Claudia Süß tauschten sie sich aus, sprachen über das, was sonst oft unausgesprochen bleibt: den Verlust ihres geliebten Kindes. Auch nach zehn Jahren und nach unzähligen Gruppenstunden berichten die derzeitigen Leiterinnen der Gruppe von einem Tabu in der Gesellschaft. Nur selten würden sich die Frauen in der Familie, auf der Arbeit, im Freundeskreis, trauen, den Tod ihres Kindes offen anzusprechen. Bei den monatlichen Treffen, die mittlerweile in den Räumen der Malteser im Eichstätter Heilig Geist-Spital stattfinden, ist das anders. „Hier kann jeder reden, wie es ihm geht, hier fühlen sich die Frauen verstanden“, erklärt Patricia Hiemer.

Zusammen mit Uli dell’Orco betreut sie die Sternenkindergruppe. Beide wissen, wie wichtig der Austausch untereinander ist, wie hilfreich ein geschützter Raum ist, in dem sich Betroffene verstanden fühlen. Hiemer und dell’Orco lernten die Gruppe als Teilnehmerinnen kennen. Nach dem Tod ihrer Kinder suchten sie Halt und Hilfe und fanden das Angebot der Malteser. Später absolvierten sie Aus- und Fortbildungen, beschäftigen sich mit Trauerbegleitung und lösten Claudia Süß in der Leitung der Selbsthilfegruppe ab.

Die abendlichen Gruppenstunden beginnen jedes Mal nach dem gleichen Schema: Zunächst wird eine Kerze entzündet. Auf der stehen die Namen der verstorbenen Kinder. Ein wichtiger Aspekt, findet Hiemer: „Die Kinder sind bei uns präsent. Sie haben einen Namen.“ Im Stuhlkreis, in offener Runde, starten danach die Gespräche. Es gebe keine festen Themen oder vorgegebene Punkte. Das Gespräch entwickle sich aus den Bedürfnissen der Frauen heraus, erzählen dell’Orco und Hiemer. Mit einem Gedicht oder einer Geschichte enden die Gruppenstunden, bei denen die Betroffenen Halt finden und Hoffnung schöpfen, wie Hiemer festgestellt hat. Was sie noch betont: „Wir wollen den Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen: Ihr habt das Recht zu trauern.“ Die Frauen (Männer waren bisher sehr selten bei den Sternenkindern dabei) kommen in der Regel ein bis zwei Jahre zu den Treffen. Wenn eine wieder schwanger ist, wird das in der Gruppe erzählt und „alle freuen sich“, sagt Hiemer. Da gebe es keinen Neid, das werde nicht bewertet.

Besondere Grabstätte

Damit die Trauer um ein früh verstorbenes Kind nicht nur im Herzen bleibt, gibt es seit November 2007 auf dem Friedhof im Eichstätter Stadtteil Rebdorf eine Grabstätte für totgeborene Kinder. Dreimal im Jahr (zuletzt Ende November) findet dort eine ökumenische Bestattung statt. Mit-Initiatorin des Grabes war damals Teresa Loichen vom Netzwerk Leben des Bistums Eichstätt. Der sogenannte Begräbnisplatz soll „ein Ort der Trauer über den Verlust eines Kindes sein, das nicht das Licht der Welt erblickte“, heißt es auf einer Info-Tafel am Friedhof. Der Eichstätter Bildhauer Günter Lang wollte mit der Grabstätte jedoch auch einen Ort des Trosts und der Hoffnung schaffen. Sichtbares Zeichen dafür ist das Kreuz aus Stahl. Kleine Engelsfiguren, Grablichter, und immer wieder auch Spielzeuge finden sich auf einem Steinquader, der am Rande des Grabs steht. „Ritualort“ nennt Lang diesen Teil.

Seit Kurzem halten die Malteser sogenannte Sternenbärchen für die Trauergruppen bereit. hat die Aktion Sternenbärchen im Jahr 2013 mit einem kleinen Bärchen, das sich eine betroffene Mutter selbst gebastelt hat. Sie hatte keine andere Erinnerung an ihr verstorbenes ungeborenes Kind. Das Bärchen zeigte ihr, dass alles nicht nur ein Traum, sondern wirklich war.

Von da ab wuchs diese Idee rasend schnell an. Im Jahr 2017 bastelten bundesweit ca. 800 Personen fast 8.000 Bärchen. Kostenlos, ehrenamtlich. 

In Ingolstadt steht Andrea List für die Aktion. Sie hat den Maltesern für ihre Trauergruppen einen ganzen Korb mit den kleinen Seelentröstern überreicht. „Wir wollen den Eltern mit den Sternenbärchen den Weg durch die Trauer ein Stück leichter machen“, sagt sie. „Das Sternenbärchen steht dabei symbolisch für das Sternenkind.“

Die Bärchen sind so klein, dass man sie immer bei sich tragen kann. Und statt eines Herzens haben sie einen Stern auf der Brust. Außerdem haben sie kein Gesicht. Manche Kinder sind vielleicht gestorben bevor sie ein Gesicht hatten oder Eltern konnten das Gesicht nicht richtig kennenlernen. So können die Eltern selbst die Entscheidung treffen, welches Gesicht sie ihrem Sternenbärchen geben wollen. 

Carmen Pickl vom Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst/Trauerarbeit der Malteser nahm die Bärchen mit einem großen Danekschön entgegen. „Sie werden uns eine wichtige Hilfe in unserer Trauerarbeit sein“, ist sich Pickl sicher.

Weitere Informationen

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